Psychische Belastung am Arbeitsplatz

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Was die Deutschen stresst

Ausschnitt aus „Sueddeutsche Zeitung“ vom 29. Januar 2013, Autorin: Johanna Bruckner

Nervös, niedergeschlagen, ausgebrannt – immer mehr Menschen macht die Arbeit krank. Erwerbstätige nehmen 18 Mal mehr Krankheitstage aufgrund von Burn-out-Syndromen als vor acht Jahren. Was sind die Belastungen im Beruf? Der “Stressreport 2012”zeigt, was die Deutschen bei ihrem Arbeitsalltag beklagen.

Von Johanna Bruckner

Stress im Alltag - David Gerhard Praxis für Psychotherapie, Paartherapie & Coaching53.000.000. Größere und kleinere Leidensgeschichten verbergen sich hinter dieser gewaltigen Zahl, die Arbeitsministerin Ursula von der Leyen in der Einleitung zum “Stressreport 2012” nennt. So viele Krankheitstage waren demnach im vergangenen Jahr auf “psychische Störungen” zurückzuführen. Arbeit macht immer mehr Menschen seelisch krank, das belegen auch zwei jüngst veröffentlichte Studien von Krankenkassen. Nicht immer muss es bis zum Burn-out gehen. Sich oft müde und erschöpft fühlen, nervös oder reizbar sein, von Niedergeschlagenheit geplagt werden – diese Erfahrungen macht eine Mehrheit der deutschen Erwerbstätigen. (…)

 

Mein Kommentar

In meine Praxis kommen sehr häufig Klienten mit Burn-out-Symptomen. Dass mittlerweile ein Großteil der deutschen Bevölkerung den Begriff Burnout oder auch Burnout-Syndrom kennt und darüber spricht, liegt ganz beträchtlich auch an der sehr häufigen Verwendung des Wortes in den Medien – das Wort Burn-out klingt eben so schön griffig , und jeder glaubt zu wissen, worum es dabei geht.

Ob dieser Terminus aber umfassend die Problematik widerspiegelt, sei einmal dahingestellt.
Auf der einen Seite gibt es das Phänomen ohne jeden Zweifel. Aber es kommen weitere Faktoren hinzu, auf die ich später im Text noch eingehen werde.

Die Anforderungen an viele Beschäftigte seitens der Arbeitgeber sind durch einen teilweise extrem geführten Wettkampf in Wirtschaft und Industrie über die Jahre stark angestiegen –
Im Einzelnen sind das:
1. sehr hohe Zielvorgaben an den Einzelnen und Teams;
2. der Anspruch bzw. die Annahme des Anspruchs, permanent für Vorgesetzte, Kollegen und Kunden erreichbar zu sein,
3. sehr hohe Ansprüche an die eigene Person bzw. an die materielle Ausgestaltung des eigenen Lebens
4. der Drang oder Wunsch, auch im Privatleben immer „auf Höhe der Zeit und des Geschehens“ zu sein: sich keine Schwäche eingestehen, immer präsent sein, immer stark sein wollen ..

Dass auf dieser Grundlage ein „Ausbrennen“ im Sinne einer Überlastung stattfindet, wundert kaum.

Dennoch spielen häufig weitere Faktoren eine Rolle beim Zustandekommen des sogenannten Burnouts, man könnte hier genauso gut von einer neueren Form der Depression sprechen.

Partnerschaftprobleme

Fast immer haben die Menschen, die sich an mich wenden, Probleme in ihrer Partnerschaft bzw. mit Partnerschaften allgemein – ein Massenphänomen!

Dort, wo ein entsprechender Ausgleich durch eine gelingende Paarbeziehung stattfindet, ist das Burnout-Phänomen erheblich seltener anzutreffen. Dazu kommt – mittlerweile kümmern sich die Menschen um sich selbst – zu Recht!

Was früher häufig im Freundeskreis mit einem lakonischen „Stell dich nicht so an!“ oder „Reiß dich mal zusammen!“ abgekanzelt wurde, wird heute hinterfragt.
Wenn wieder einmal eine Zweierbeziehung in die Brüche gegangen ist, fragen sich mittlerweile viele: Warum musste es so kommen? Was habe ich, was haben wir falsch gemacht? Warum hat es nicht gepasst mit uns?

Die Bedeutung von Partnerschaft ist erheblich mehr ins Bewußtsein jedes Einzelnen gerückt. Die Menschen fragen sich aus gutem Grund: Warum soll ich dieses oder jenes nicht für mich klären? Warum sollte ich mein Leben nicht selbst in die Hand nehmen? Warum sollte ich die Probleme, die sich immer wieder in Partnerschaft oder Freundschaft zeigen, einfach wegdrücken?

Wenn diese sehr persönliche Perspektive hinzukommt, kann also bei vielen Betroffenen schon nicht mehr von einem Burnout die Rede sein, jedenfalls nicht allein hervorgerufen durch die Arbeitsbedingungen.

Persönliche Entwicklung

Fast ebenso häufig wie Partnerschaftsprobleme spielen Themen und Fragestellungen aus der eigenen Vergangenheit der Patienten / Klienten eine Rolle bei der Entstehung eines Burnouts bzw. einer depressiven Episode.

Auch hier ist ein deutlicher Wandel im Verhalten der Menschen feststellbar.

Man könnte es so sagen – früher haben es sich die Menschen selbst untersagt, zu viele Fragen zu stellen – nach der eigenen Kindheit und Jugend zum Beispiel, nach Entwicklungen und Geschehnissen in Schule und Ausbildung, nach der eigenen Sozialisation, den Eltern, der Persönlichkeitsentwicklung im allgemeinen.
Es ist eben so gewesen und damit basta, hätte ein allgemein gängiger Ausspruch etwa lauten können.

Heute möchten viele Menschen Klarheit haben, möchten mehr in Erfahrung bringen über ihr eigenes Leben, über die Ziele, die sie noch erreichen möchten und erreichen können, ihre Möglichkeiten überhaupt.

Auch hier ist es so – wenn persönliche Themen wie die oben genannten in das therapeutische Setting eingebracht werden, die zuvor nie besprochen, nie geklärt wurden, kann man von dem „Burnout“-Phänomen nur noch bedingt sprechen. Sie haben höchstens mittelbar etwas damit zu tun.

Wie die Praxis immer wieder zeigt – die Verquickung sehr vieler Themen und Ursachen, die zum Teil weit in die eigene Persönlichkeitsgeschichte zurückreichen, spielt eine immense Rolle bei der Behandlung einer Depression, und auch bei der des „Burnouts“. Die Persönlichkeit des Menschen ist daher als Ganzes zu betrachten – dies sollte Grundvoraussetzung einer jeden Psychotherapie sein.

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