Paarbeziehung: Liebe in Zeiten von Facebook, WhatsApp & Co.

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Um es vorweg zu nehmen – die digitalen Medien wie Facebook, WhatsApp, Google, Instagram etc. sind in Bezug auf Partnerschaften mit großer Vorsicht zu betrachten und zu “genießen”. Ach ja?! Ja, tatsächlich!

Digitale Medien in der Paarbeziehung - David Gerhard - AQH4724.TIFAls Paartherapeut schreibe ich dies auch mit einem Schmunzeln, da man sagen könnte – das weiß man ja. Stimmt, man könnte es annehmen, dass die meisten reifen Erwachsenen sich dieses Umstandes bewusst sind. Nur – leider sieht die Realität in den gelebten Partnerschaften, in den Paarbeziehungen recht häufig anders aus. Misstrauen ist ein hochfrequentes und weit verbreitetes Thema.

In den zahlreichen Sitzungen der Paarberatung, die ich seit Jahren in meiner Praxis durchführe, kommt dieses Thema in mindestens jeder dritten Beratung zur Sprache, genauer: es werden zahlreiche Vorwürfe laut, die Partnerin oder der Partner würden ständig zum Beispiel WhattsApp nutzen, aber dem/der anderen nichts über die Inhalte der Nachrichten mitteilen.
Warum ist dieses Thema in der Paartherapie so groß? Aus welchem Grund wenden sich viele Ratsuchende an einen Paarcoach, da sie das Gefühl haben, dass sie der eigene Medienkonsum oder der des Partners überfordert?

Erklärungsversuche

Eine Antwort könnte lauten: Der Wunsch nach Kontrolle ist bei vielen Menschen sehr groß. In einer Welt voller Unsicherheiten und Ungereimtheiten ist dies nur verständlich. Menschen suchen Sicherheit, suchen Geborgenheit, ein Sich-Aufgehoben-fühlen in ihrer direkten Umwelt. Es geht ihnen dabei um Grundbedürfnisse – die eigene Persönlichkeit schützen, die Unbilden des Lebens von der eigenen Person fernhalten, die Position im Lebensumfeld absichern.

Allerdings – der Kontrollwunsch sollte das Grundvertrauen, das in jeder Parbeziehung die Basis sein sollte, nicht überlagern. Eine belastbare und vertrauensvolle Beziehung ist ein Grundpfeiler für ein zufriedenes Leben, sowohl für das Leben des Einzelnen wie auch das des Paares  – die digitalen Medien, ganz speziell Facebook, WhattsApp und Instagram erschweren die Erreichung dieses Ziels allerdings, und zwar zum Teil massiv. Dies geschieht dann, wenn die digitalen Medien “falsch” verstanden und ungünstig genutzt werden. Häufig ein Teil der Tagesordnung.

Die Menschen sind teils so verunsichert, dass sie ihr Kontrollbedürfnis in Bezug auf ihre Partnerschaft einfach nicht mehr abstellen, nicht mehr beherrschen können:

An wen hat er da gerade eine sms versendet? Mit wem hat sie da gerade wieder per Facebook Nachrichten ausgetauscht? Wurde er schon wieder “gelikt”? Von wem? Wer ist sie? Hat sie wieder eine “Freundschafts-Anfrage” erhalten? Von wem? Wer ist er? Woher kennt sie den denn?
Dutzende Fragen dieser Art könnte ich hier zitieren.

Die kleinen Geheimnisse – zulässig in einer Paarbeziehung?

Ja! Ein menschliches Leben ohne Geheimnisse gibt es nicht. Kann es nicht geben. Denn was würde geschehen, würden die Menschen jedes kleine Geheimnis wechselseitig in einer Partnerschaft tilgen? Würden sich bis in die kleinste Verästelung ihrer Persönlichkeit offenbaren? Eine Enträtselung des Individuums würde damit einhergehen. Eine Entmystifizierung. Entstehen würde ein geheimnisloser, entmenschlichter Raum, eine geglättete Fläche.

Alles ist zu kontrollieren, alles ist zu beherrschen, alles kann im Griff gehalten werden. “Nette” Vorstellung für manche – geht nur leider an der Lebensrealität vorbei.

Klar ist allerdings auch – derjenige, der permanent das Mobiltelefon in der Hand hat und Botschaften, an wen auch immer verschickt, muss sich dem anderen schon mitteilen, was nicht bedeutet, dass er sämtliche Inhalte der Chats etc. transparent machen müsste. Zwei Stunden lang neben seiner Partnerin oder  neben seinem Partner auf dem Sofa zu sitzen, und aber nicht zu offenbaren, mit wem man sich denn da so fleißig austauscht – würde wohl die Toleranz der allermeisten Menschen auf eine harte Probe stellen.

Die Konsequenzen bei einer “falschen” Nutzung der Digitalmedien kann fatal sein – Vorwürfe, Zweifel an der Glaubwürdigkeit des anderen, Selbstzweifel, Fragen basierend auf Misstrauen, Diskussionen, Streit, Herabwürdigungen, Zerwürfnis, Abneigung, Verlust der Partnerschaft.

Digitale Medien in der Paarbeziehung – gibt es den “richtigen” Umgang?

Eine Welt ohne digitale Medien? Wohl eher nicht denkbar. Glücklicherweise auch nicht notwendig. Zu viele positive Eigenschaften, die die Digitalisierung mit sich bringt. Die richtige Dosierung ist sicher einer der Schlüssel, damit der Nutzen der allzeit präsenten Medienbegleitung unseres Lebens der wichtigste Aspekt dabei bleibt.

Besonders ungünstig, und eigentlich ein Tabu, ist das heimliche Schauen in das Handy des Partners / der Partnerin, oder das heimliche Stöbern im Rechner des Beziehungspartners. Dass dieses Stöbern meist doch auffällt, ist dabei häufig  ein unangenehmer, technischer Nebeneffekt. Viel gravierender ist dabei die Untergrabung des Vertrauens in die Paarbeziehung.

Derjenige, der heimlich stöbert, stellt die eigene Loyalität stark in Frage, und die des Partners in jedem Falle, denn ein Misstrauen ist ja gerade das Motiv, das zu der Aktion führt.

Das Gute zum Schluss

Etwas Gutes können die beschriebenen Szenarien aber doch mit sich bringen – die Realisierung, dass in der Partnerschaft etwas nicht stimmt, dass etwas aus der Waage geraten ist, dass man die eigenen Standpunkte reflektieren sollte.

Autor: David Gerhard
Paartherapie & Paarberatung in Köln

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